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Simon Wiesenthal Center
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Das Simon Wiesenthal Center ist eine jĂŒdische, politisch tĂ€tige Internationale Nichtregierungsorganisation mit Hauptsitz in Los Angeles. Es wurde 1977 gegrĂŒndet und ist nach Simon Wiesenthal benannt; es setzt sich hauptsĂ€chlich mit der Thematik des Holocausts auseinander. Simon Wiesenthal selbst war dabei nur als Namensgeber, aber weder an der GrĂŒndung noch der Leitung des Centers beteiligt.

Contents

‱ Standorte
‱ Leitung
‱ Kritik
‱ Weblinks

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Standorte

Der Hauptsitz des Simon Wiesenthal Centers ist in Los Angeles im Stadtteil Pico-Robertson. Weitere Standorte sind New York, Miami, Jerusalem, Paris und Buenos Aires.

TĂ€tigkeiten

Es verfolgt das Ziel, Toleranz und VerstĂ€ndnis gegenĂŒber Mitmenschen in der heutigen Zeit zu bewahren, was durch aktives Einbeziehen der Gesellschaft und deren AufklĂ€rung und Bildung erreicht werden soll. Das Simon Wiesenthal Center beschĂ€ftigt sich mit Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord. Es bezieht außerdem Position fĂŒr das Verbot von Antifa-Organisationen.cite-ref-1[1] Das Zentrum ist sowohl in den Vereinten Nationen als auch bei der UNESCO als Nichtregierungsorganisation (NRO) registriert.

Seit der GrĂŒndung des Simon Wiesenthal Centers 1977 findet eine kontinuierliche Kommunikation mit sowohl privaten als auch öffentlichen Einrichtungen, u. a. mit der US-amerikanischen Regierung und anderen Regierungen statt.

Die Kampagne Operation Last Chance wird in Kooperation mit der Stiftung Targum Shlishi durchgefĂŒhrt und verfolgt das Ziel, gesuchte und noch lebende NS-Kriegsverbrecher der Justiz zuzufĂŒhren. Sie wird von Efraim Zuroff, dem Direktor des Standorts Jerusalem, geleitet.cite-ref-2[2]

Im Simon Wiesenthal Center und dem dazugehörigen Museum der Toleranz kann ein österreichischer Gedenkdienst abgeleistet werden.

Leitung

GrĂŒnder und Leiter des Zentrums ist der Rabbiner Marvin Hier, sein Stellvertreter ist Rabbi Abraham Cooper. Der derzeitige GeschĂ€ftsfĂŒhrer ist Rabbi Meyer H. May.

Bibliothek und Archiv

Die Bibliothek des Zentrums in Los Angeles umfasst eine Sammlung von ungefĂ€hr 50.000 BĂ€nden und Artikeln. Ferner sind im Archiv Bilder, TagebĂŒcher, Briefe, Artefakte, Vorlagen und seltene BĂŒcher zu finden, welche fĂŒr Forscher, Studenten und andere zugĂ€nglich sind. Eine große Anzahl der Dokumente ist online einsehbar.cite-ref-3[3]

VerhÀltnis zum Namensgeber

ZunĂ€chst empfand Simon Wiesenthal es als große Ehre, dass das Center nach ihm benannt wurde. Dessen Leiter Marvin Hier vermittelte ihm zahlreiche VortrĂ€ge und Ehrungen in den Vereinigten Staaten. In spĂ€teren Jahren fĂŒhlte sich Wiesenthal hĂ€ufig ĂŒbergangen oder schlecht informiert, so dass sich die Konflikte hĂ€uften. Marvin Hier gelang es immer wieder, ihn zu besĂ€nftigen.cite-ref-4[4]

Operation Last Chance

→

Hauptartikel

:

Operation Last Chance

Operation Last Chance ist eine internationale Kampagne mit dem Ziel, gesuchte NS-Kriegsverbrecher der Justiz zuzufĂŒhren. Das Motto der Aktion lautet: „SpĂ€t, aber nicht zu spĂ€t.“ FĂŒr Hinweise, die zur Verurteilung einer der gesuchten Personen fĂŒhren, sind jeweils 10.000 Euro ausgesetzt.

2013 startete das Zentrum in Deutschland eine Plakat-Kampagne, mit deren Hilfe die letzten noch lebenden Kriegsverbrecher aufgespĂŒrt werden sollten. ZunĂ€chst wurden in Berlin, Hamburg und Köln insgesamt 2.000 Plakate mit dem Motto „SpĂ€t, aber nicht zu spĂ€t! Operation Last Chance“ aufgehĂ€ngt. Auf den schwarz-roten Plakaten war das Tor zum KZ Auschwitz abgebildet. FĂŒr sachdienliche Informationen war eine Belohnung von bis zu 25.000 Euro ausgesetzt.

Es sei nicht zu spĂ€t, die Verbrechen des Holocaust zu verfolgen, und ihr inzwischen hohes Alter dĂŒrfe die TĂ€ter nicht schĂŒtzen, gab das Simon-Wiesenthal-Zentrum an. Das Zentrum schĂ€tzte zu dem Zeitpunkt die Zahl der noch lebenden Nazi-Verbrecher in Deutschland auf 60 bis 120. Die Gesuchten waren vermutlich um die 90 Jahre alt oder noch Ă€lter. Anlass der Plakat-Kampagne war die Verurteilung des Kriegsverbrechers Iwan Demjanjuk. Der Fall hatte die Rechtslage verĂ€ndert: der ehemalige KZ-Aufseher Demjanjuk wurde 2011 trotz nicht nachweisbarer Individualschuld wegen Beihilfe zum Mord in 20.000 FĂ€llen zu fĂŒnf Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es fĂŒr eine Verurteilung als ausreichend an, dass Demjanjuk „Teil der Vernichtungsmaschinerie“ der Nationalsozialisten war.cite-ref-5[5] Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur AufklĂ€rung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg hatte im April 2013 mitgeteilt, dass sie gegen 50 weitere KZ-Aufseher des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau Vorermittlungen fĂŒhrt.cite-ref-6[6]

Im Oktober 2014 hat das Simon-Wiesenthal-Center der deutschen Regierung eine Liste von 80 deutschen StaatsbĂŒrgern vorgelegt, die im Zweiten Weltkrieg den Tod von zahlreichen Juden verschuldet haben sollen. Ein Sprecher der jĂŒdischen Organisation aus Jerusalem gab an, dass diese Personen immer noch am Leben seien. Eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums erlĂ€uterte gegenĂŒber israelischen Medien, dass die Liste an das BĂŒro des Sonderstaatsanwalts in Ludwigsburg weitergegeben und nun dort untersucht werde.cite-ref-7[7]

Die zehn schlimmsten antisemitischen / antiisraelischen Verunglimpfungen

Das SWC veröffentlicht seit 2010 die „Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs“, eine jĂ€hrliche Top-Ten-Liste von Zitaten, bei denen es sich nach Auffassung des SWC um antisemitische/antiisraelische Verunglimpfungen handelt, die sich zudem durch eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz auszeichnen und damit nach Ansicht des SWC „den Weltfrieden bedrohen“.cite-ref-8[8]

In einem Interview mit der Zeitung Die Zeit konkretisierte Rabbi Abraham Cooper, stellvertretender Direktor des SWC, das Anliegen, das mit der Liste verfolgt wird:

„Wir veröffentlichen diese Liste jedes Jahr seit 2010. Sie soll eine weltweite Momentaufnahme sein und zeigen, wo und wie Antisemitismus massenkompatibel wird. Die Liste ist ein Weckruf an die Politik und soll zu Diskussionen anregen. [
] Wir folgen [bei der Unterscheidung zwischen legitimer Kritik und Antisemitismus] sehr genau der Definition von Nathan Sharansky, dem Vorsitzenden der israelischen Einwanderungsorganisation. Entscheidend sind demnach Doppelmoral, DĂ€monisierung und Delegitimierung. Trifft eines dieser drei „D“ zu, handelt es sich nicht mehr um bloße Kritik.“

–

Abraham Cooper

Auf der Liste fanden sich auch Zitate Deutscher: Thilo Sarrazin 2010,cite-ref-10[10] Hermann Dierkes 2011cite-ref-11[11] und Jakob Augstein 2012.cite-ref-2012slurs-12-0[12] FĂŒr das Jahr 2013 wurden von der Stuttgarter Zeitung und der Badischen Zeitung veröffentlichte Karikaturen in die Liste aufgenommen.cite-ref-13[13] Die Bank fĂŒr Sozialwirtschaft stand 2018 auf Platz 7 der Liste, weil sie das Konto des Vereins JĂŒdische Stimme fĂŒr gerechten Frieden in Nahost fortfĂŒhrte, der die Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) unterstĂŒtzt. 2019 kam Christoph Heusgen, StĂ€ndiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen, auf Platz 7 der Liste, weil er im Sicherheitsrat 25 Mal antiisraelisch gestimmt und israelische Bulldozer mit Hamas-Raketen gleichgesetzt habe.cite-ref-14[14]

2020 ging Platz 7 an die „deutsche Kulturelite“, insbesondere an das Goethe-Institut, die Kulturstiftung des Bundes, die Berliner Festspiele, das Deutsche Theater, das Einstein Forum, das Humboldt Forum und weitere staatlich finanzierte Kultureinrichtungen, die gemeinsam eine Entschließung des Deutschen Bundestages, der BDS-Bewegung „finanzielle UnterstĂŒtzung und die Vergabe von kommunalen RĂ€umen“ zu verweigern, als Verstoß gegen die Meinungsfreiheit kritisiert hatten.cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]

Um die konkreten Anschuldigungen zu sehen, bitte die originale Liste des Simon Wiesenthal Centers unter den Einzelnachweisen (Top Ten worst global anti-semitic/anti-Israel incidents) aufrufen.

| Jahr | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2010 [ 17 ] | Helen Thomas | Oliver Stone | Mahathir bin Mohamad | Al-Mutawakil Taha (stellvertretender Informationsminister der PalÀstinensischen Autonomiebehörde ) | Thilo Sarrazin | Karel de Gucht | Rick Sanchez (ehemaliger CNN -Korrespondent) | Petras Stankeras (Historiker und Berater des litauischen Innenministeriums) | Christina Patterson ( The Independent ) | Soziale Netzwerke ( Yahoo , Facebook , Twitter ) |
| 2011 [ 18 ] | Mahmud Abbas | Recep Tayyip Erdoğan | Mikis Theodorakis | John Galliano | Lars von Trier | Osama Al-Malouhi (syrischer Oppositioneller) | Tawfiq Okasha (Ă€gyptischer PrĂ€sidentschaftskandidat) | George Saliba | Hermann Dierkes ( Die Linke Duisburg) | Jeremiah Wright |
| 2012 [ 19 ] | Ägyptische Muslimbruderschaft : Mohammed Badie Futouh Abd Al-Nabi Mansour | Iranisches Regime: Mahmud Ahmadineschad Hassan Firouzabadi Mohamed Rahimi | Carlos Latuff | Europas antisemitische Fußball-Fans | Allukrainische Vereinigung „Swoboda“ : Oleh Tjahnybok Ihor Miroschnytschenko | Chrysi Avgi : Nikolaos Michaloliakos Ilias Kasidiaris | Jobbik : Marton Gyongyosi | Auszeichnung des Arztes Trond Ali Linstad mit der Kongens fortjenstmedalje | Jakob Augstein | Louis Farrakhan |
| 2013 [ 20 ] | Ali Chamene’i | Recep Tayyip Erdoğan | Richard Falk | Boycott, Divestment and Sanctions American Studies Association (ASA) Roger Waters United Church of Canada | Jobbik | Rechtfertigung und Glorifizierung Hitlers: Najwa Karam Mehmet Sahin Zwei tĂŒrkische Studenten, die den Hitlergruß vor dem Eingangstor des KZ Auschwitz zeigten Yusuf al-Qaradawi Qays bin Khalil al Kalbi Muhammad al Farraj | Karikaturen: Zeon Badische Zeitung Stuttgarter Zeitung Dagbladet (Norwegen) Thomas Drefvelin | Pine Bush School District | Alice Walker Max Blumenthal | EuropĂ€ische Sportveranstaltungen: Miejski Oƛrodek Sportu i Rekreacji, ƁódĆș Fans der Ungarischen Fußballnationalmannschaft Dynamo Riga Josip Ć imunić |
| 2014 [ 21 ] | Ein Arzt in Belgien versagt einer 90-jĂ€hrigen jĂŒdischen Frau medizinische Hilfe („Schick sie nach Gaza fĂŒr einige Stunden, dann wird sie befreit von ihren Schmerzen“) | Terroranschlag auf die Kehilat-Bnei-Torah-Synagoge in Jerusalem | Überfall auf ein jĂŒdisches Paar und Vergewaltigung in CrĂ©teil | „ ToilettenaffĂ€re “ bei der Partei Die Linke | Faruk Köse, Kolumnist in der TĂŒrkei, schlĂ€gt eine Sondersteuer fĂŒr tĂŒrkische Juden vor. | Björn Söder ( Schwedendemokraten ; VizeprĂ€sident des schwedischen Reichstags) | MihĂĄly ZoltĂĄn Orosz | DĂ€monisierung und Delegitimation Israels in amerikanischen akademischen Kreisen | Frazier Glenn Cross, Jr. (ehemaliger Grand Dragon des Ku-Klux-Klan ) | In einem Sportartikelladen in Hertfordshire wird einem Juden der Eintritt verwehrt („No Jews, no Jews“) |
| 2015 [ 22 ] | Judenhass inspirierte die AttentĂ€ter des Terroranschlags in San Bernardino | ISIS | EuropĂ€ische Union fĂŒr Doppelmoral gegenĂŒber Israel | Campus in den USA: antisemitische Angriffe auf jĂŒdische Studenten | PalĂ€stinensische Autonomiebehörde / UNRWA | Iran | Kultur und Sport in Europa: HassgesĂ€nge gegen Juden, Absage an den jĂŒdischen Rapper Matisyahu in Spanien | Jeremy Corbyn , Gerald Kaufman | Kuwait | Polen |
| 2016 [ 23 ] | Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrates und Resolutionen der UN-Generalversammlung | FĂŒhrung der Labour Party und Jenny Tonge | Frankreich boykottiert Israel | Boykottierung, Ausgliederung und Sanktionen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft , Canadian Union of Students und United Church of Christ | Richard B. Spencer | PalĂ€stinensische Autonomiebehörde und Hamas | Zahlreiche antisemitische Angriffe in den Niederlanden | Margot Wallström | Sport – BrutstĂ€tte fĂŒr Hass | Leugnung der Beteiligung von Polen am Holocaust; Anna Zalewska |
| 2019 [ 24 ] | Britische Labour Party unter Jeremy Corbyn | AnschlĂ€ge in Jersey City und Halle | Todesdrohungen gegen Liliana Segre | Verfahrenseinstellung im Mordfall Sarah Halimi | Rashida Tlaib und Ilhan Omar | HasskriminalitĂ€t gegen Juden in New York City | Abstimmungsverhalten des deutschen Vertreters Christoph Heusgen im UN-Sicherheitsrat | UniversitĂ€ten in den USA und Kanada | Jahrestag der „Kristallnacht“ in DĂ€nemark und Schweden | Pastor Rick Wiles bezeichnet das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump als „jĂŒdischen Putsch“ |
| 2020 [ 25 ] | Antisemitismus im Rahmen der COVID-19-Pandemie | Telegram | Louis Farrakhan | Antisemitische Angriffe im Nachgang der Black Lives Matter Proteste | Ajatollah Chamenei | Entscheidung des EuropĂ€ischen Gerichtshofs , dass SchĂ€chten von EU-Staaten verboten werden darf | Versuch der Re-Legitimisierung der BDS-Kampagne durch die „deutsche Kulturelite“ | Anti-Zionismus an US-amerikanischen UniversitĂ€ten | Demokratische Sozialisten Amerikas | Daniel Jadue |
| 2021 [ 26 ] | Iran | Hamas | BBC und das Vereinigte Königreich | Nazi- und Antisemitismus-Symbole in der Impfgegner -Bewegung | Jewish Voices for Peace | Soziale Netzwerke (Twitter, Telegram, TikTok , Facebook) | Deutschland | Council on American-Islamic Relations und Sunrise Movement | Carol Falt, PrÀsidentin der University of Southern California | Unilever |

Kritik

Das SWC kam vor allem Ende 2005 bei der jĂŒdischen Gemeinde Venezuelas in die Kritik, als es dem venezolanischen PrĂ€sidenten Hugo ChĂĄvez antisemitische Äußerungen vorwarf, weil dieser behauptete, „die Nachkommen derer, die Christus kreuzigten [
], haben sich die ReichtĂŒmer der Welt zu eigen gemacht“. Das SWC ging davon aus, dass hiermit die Juden gemeint waren.cite-ref-27[27] Juden enorme Macht und Reichtum zuzusprechen, ist ein hĂ€ufiges antisemitisches Klischee. Die jĂŒdische Gemeinde Venezuelas wies dies kurz darauf zurĂŒck, da das SWC die Äußerungen von ChĂĄvez zum wiederholten Mal sinnentstellend verkĂŒrzt wiedergegeben habe.cite-ref-28[28]

Vergleichbare Kritik wird auch an den „antisemitischen/antiisraelischen Verunglimpfungen“ geĂ€ußert. Die hier veröffentlichten Zitate seien teilweise so gekĂŒrzt, dass eine deutlich andere Aussage suggeriert werde als beim vollstĂ€ndigen Zitat im ursprĂŒnglichen Kontext.

Zum Jahreswechsel 2012/2013 geriet das SWC in der deutschen Presse in die Kritik, da es Äußerungen des deutschen Journalisten und Verlegers Jakob Augstein ĂŒber Israel und die israelische Regierung auf die Rangliste „2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs“ (Top zehn antisemitische/anti-israelische Verunglimpfungen 2012) gesetzt hatte (Platz 9).cite-ref-2012slurs-12-1[12] Der PrĂ€sident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, kritisierte, dass „die anderen auf der Liste, auch die widerlichen Naziparteien in unseren europĂ€ischen PartnerlĂ€ndern Ungarn und Griechenland, damit unzulĂ€ssig verharmlost werden“.cite-ref-29[29] Augstein schĂŒre aber fahrlĂ€ssig antiisraelische Ressentiments, vermittle ein undifferenziertes und verfĂ€lschtes Israelbild und schreibe ohne Empathie und ohne VerstĂ€ndnis fĂŒr Israels ExistenzĂ€ngste.cite-ref-30[30] Verschiedene Politiker, Journalisten, Nahost- und Antisemitismusexperten nahmen Augstein gegen AntisemitismusvorwĂŒrfe in Schutz, distanzierten sich dabei aber teilweise von Augsteins Aussagen.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32]cite-ref-33[33]cite-ref-34[34]

Auch die Plakataktion „SpĂ€t, aber nicht zu spĂ€t! Operation Last Chance“ sah sich Kritik ausgesetzt. Michael Wolffsohn bezeichnete die Aktion als „geschmacklos“ und vertrat die Ansicht, das Simon Wiesenthal Center stehe „oft fĂŒr Klamauk, aber nicht fĂŒr wirklich intensive, pietĂ€tvolle Aufarbeitung“.cite-ref-35[35]

2019 geriet das SWC in die Kritik, weil es auf seiner „Liste der zehn schlimmsten weltweiten antisemitischen ZwischenfĂ€lle 2018“ auf Platz sieben die deutsche Bank fĂŒr Sozialwirtschaft fĂŒhrte, denn diese habe ein Konto der JĂŒdischen Stimme fĂŒr gerechten Frieden in Nahost bei ihr nicht gekĂŒndigt.cite-ref-36[36] Diese Organisation kritisiert die israelische Politik in den besetzten Gebieten und wird von einigen Quellen in einen Zusammenhang mit Boycott, Divestment and Sanctions gerĂŒckt. Stefan Reinecke kommentierte, die Liste sei „zwischen Klamauk und Agitprop angesiedelt“, das beste wĂ€re, sie zu ignorieren.cite-ref-37[37]cite-ref-38[38]

Auch die Aufnahme des deutschen Vertreters bei den Vereinten Nationen, Christoph Heusgen, in die „Liste antisemitischer VorfĂ€lle“ 2019 stieß auf Kritik. Die deutsche Regierungssprecherin Ulrike Demmer stellte klar, dass Heusgen das Abstimmungsverhalten im Sicherheitsrat nicht selbst festlege, sondern auf Weisung der Bundesregierung handele. Zudem habe sich der Diplomat â€žĂŒber Jahre hinweg und mit großer Leidenschaft gegen Antisemitismus eingesetzt“. Das AuswĂ€rtige Amt gab an, dass sich Deutschland bei den Vereinten Nationen „gegen eine unfaire Behandlung Israels“ einsetze und „Israels legitime Interessen“ unterstĂŒtze.cite-ref-39[39] Der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, bezeichnete die VorwĂŒrfe gegen Heusgen als „völlig unangebracht“.cite-ref-40[40]

Nachdem das SWC den Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-WĂŒrttemberg, Michael Blume, auf Platz sieben der Top-Ten-Liste des globalen Antisemitismus fĂŒr das Jahr 2021 aufgefĂŒhrt hatte, kritisierten die Israelitischen Religionsgemeinschaften die Organisation. Blume sei ein „BrĂŒckenbauer zwischen Baden-WĂŒrttemberg und Israel“. Ihn „auf eine gemeinsame Liste mit Feinden Israels zu setzen“ sei „ungeheuerlich“. Der Zentralrat der Juden in Deutschland erklĂ€rte, die VorwĂŒrfe gegen Blume seien „absurd“. Auch die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland kritisierte das SWC wegen seiner Entscheidung. Der baden-wĂŒrttembergische MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann bezeichnete die VorwĂŒrfe als „nicht nachvollziehbar und höchst befremdlich“. Blume selbst erklĂ€rte, dass einige VorwĂŒrfe des SWC „nicht einmal einer oberflĂ€chlichen ÜberprĂŒfung stand“ hielten.cite-ref-41[41]

Im Januar 2023 kritisierte der Chef vom Dienst der grĂ¶ĂŸten jĂŒdischen Zeitung Deutschlands, JĂŒdische Allgemeine, das Wiesenthal-Zentrum dafĂŒr, Christoph Heusgen, Jakob Augstein und Michael Blume in seine Listen aufgenommen und neben Terroristen und Antisemiten genannt zu haben. Er schrieb in Bezug auf das Wiesenthal-Zentrum und seine Listen:cite-ref-42[42]

„Der Kampf gegen Antisemitismus ist zu ernst, um ihn so zu fĂŒhren, wie es das Wiesenthal Center mit der Liste leider getan hat. [
] Wahrheit statt Fake News: FĂŒr Simon Wiesenthal war das eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Zum SelbstverstĂ€ndnis des Simon Wiesenthal Centers gehört dies offenkundig nur sehr bedingt.“

Weblinks

‱ Website des Simon Wiesenthal Centers
‱ Die Jagd nach den letzten Kriegsverbrechern. FAZ.net, 10. Juli 2007, Interview mit Efraim Zuroff.
‱ Karadzic, Heim, Bin Ladin. Gesucht: Kriegsverbrecher. FAZ.net, 29. Juli 2008, Interview mit Efraim Zuroff.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ https://twitter.com/simonwiesenthal/status/1267159665164513281. Abgerufen am 31. Dezember 2021.
cite-note-22. ↑ Simon Wiesenthal Center. Operation: Last Chance, abgerufen am 27. Dezember 2013.
cite-note-33. ↑ Multimedia Learning Center. (Memento vom 19. Dezember 2008 im Internet Archive) wiesenthal.com
cite-note-44. ↑ Tom Segev: Simon Wiesenthal. Siedler, Berlin S. 460–470.
cite-note-55. ↑ Plakat-Aktion: Suche nach NS-Verbrechern (Memento vom 26. August 2013 im Internet Archive) NDR, 24. Juli 2013.
cite-note-66. ↑ „Wir stehen am Anfang der Ermittlungen“. fr-online.de, 9. April 2013 (Interview mit dem Leiter der Ludwigsburger Zentralstelle zur AufklĂ€rung nationalsozialistischer Verbrechen, Kurt Schrimm).
cite-note-77. ↑ Pressebericht. israel heute.
cite-note-88. ↑ 2012 Top Ten Anti-Israel/Anti-Semitic Slurs – Mainstream Anti-Semitism Threatens World Peace. Simon Wiesenthal Center.
cite-note-91. Christopher Weckwerth: „Augstein sollte sich bei den Lesern und dem jĂŒdischen Volk entschuldigen“. Zeit Online, 5. Januar 2013.
cite-note-1010. ↑ 2010 Top Ten Anti-Semitic Slurs. (Memento vom 17. Oktober 2012 im Internet Archive; PDF; 188 kB) Simon Wiesenthal Center.
cite-note-1111. ↑ 2011 Top Ten Anti-Israel/Anti-Semitic Slurs. Simon Wiesenthal Center.
cite-note-2012slurs-1212. ↑ 2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs. Simon Wiesenthal Center.
cite-note-1313. ↑ Benjamin Weinthal: Wiesenthal releases 'Top Ten 2013 anti-Semitic, anti-Israel slurs’ list. In: Jerusalem Post, 30. Dezember 2013.
cite-note-1414. ↑ 2019 Top Ten worst global anti-semitic and anti-Israel incidents. (PDF) wiesenthal.com
cite-note-1515. ↑ German Elite Launch All-Out Assault To Re-Legitimize Anti-Semitic BDS. (PDF) In: Top 10 Worst Global Anti-Semitic Incidents, Simon Wiesenthal Center, S. 6.
cite-note-1616. ↑ Henryk M. Broder: Antisemitismus: Platz 7 fĂŒr die deutsche Kulturelite. Welt Online, 3. Januar 2021.
cite-note-172. Top Ten worst global anti-semitic/anti-israel incidents 2010. (Memento vom 17. Oktober 2012 im Internet Archive; PDF) wiesenthal.com
cite-note-183. Top Ten worst global anti-semitic/anti-israel incidents 2011. (Memento vom 9. Februar 2015 im Internet Archive; PDF) wiesenthal.com
cite-note-194. Top Ten worst global anti-semitic/anti-israel incidents 2012. (Memento vom 19. MĂ€rz 2013 im Internet Archive; PDF) wiesenthal.com
cite-note-205. Top Ten worst global anti-semitic/anti-israel incidents 2013. (Memento des Originals vom 30. Dezember 2013 im Internet Archive; PDF) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wiesenthal.com wiesenthal.com
cite-note-216. Top Ten worst global anti-semitic/anti-israel incidents 2014 (PDF)
cite-note-227. Top Ten worst global anti-semitic/anti-israel incidents 2015 (PDF)
cite-note-238. Top Ten worst global anti-semitic/anti-israel incidents 2016 (PDF)
cite-note-249. Top Ten worst global anti-semitic/anti-israel incidents 2019 (PDF)
cite-note-2510. Top Ten worst global anti-semitic/anti-israel incidents 2020 (PDF)
cite-note-2611. Top Ten worst global anti-semitic/anti-israel incidents 2021. (PDF) wiesenthal.com
cite-note-2727. ↑ SWC News Items (Memento vom 26. September 2007 im Internet Archive).
cite-note-2828. ↑ Marc Perelman: Venezuela’s Jews Defend Leftist President in Flap Over Remarks, forward.com, 13. Januar 2006.
cite-note-2929. ↑ Kultur und Leben, Medien. „Schauderhaft und schrecklich“. In: Focus, 02/2013, 7. Januar 2013.
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34.053888888889-118.40194444444coordinatesKoordinaten: 34° 3â€Č 14″ N, 118° 24â€Č 7″ W